Orang-Utan

Vorkommen

Sumatra (Indonesien) und Borneo (Malaysia und Indonesien).

 

Biologie und Verhalten

Genetik: Neuerdings gibt es 2 Arten auf Sumatra: Pongo abelii in Aceh nördlich vom „Lake Toba“ und eine seit August 2014 determinierte neue Art in Batang Toru südlich vom „Lake Toba“ (Nater et al 2011, Greminger et al. 2014). Desweiteren eine Art, Pongo pygmaeus auf Borneo mit 3 Unterarten: Pongo p. pygmaeus in Sarawak und nördlicher Teil von West-Kalimantan, Pongo p. wurmbii in Zentral-Kalimantan und südlicher Teil von West-Kalimantan und Pongo p. morio in Ost-Kalimantan uns Sabah.

 

 

 

Orang-Utans leben den größten Teil ihrer Zeit hoch oben in den Baumwipfeln und sind somit die grössten arboreal lebenden Säugetiere der Erde. Ihre Körperform ist an das Baumleben angepasst mit viel längeren Armen als Beinen und Füssen mit gegenüberstehenden dicken Zehen. Das erlaubt ihnen das Greifen. Sie haben somit 4 „Hände“, mit denen sie sich durch die Baumwipfel und Äste fortbewegen können.

 

 

 

Weiterhin zeigen Orang-Utans einen extremen sexuellen Dimorphismus, indem die Männchen, mit sekundär ausgebildeten sexuellen Merkmalen, viel größer und massiver sind als die Weibchen.

 

Orang-Utans haben die langsamste Lebensgeschichte aller Säugetiere. Die von Sumatra-Orang-Utans ist sogar noch länger als jene der Borneo-Orang-Utans. Auf Borneo bekommt ein Weibchen ihr erstes Jungtier im Alter von 11 Jahren. Nach 6 Jahren wird dieses Jungtier von der Brust entwöhnt und ein Jahr später bekommt sie ein neues Jungtier. Diese extrem lange, zwischengeburtliche Zeit (beim Menschen sind es ca. 3.5 Jahre (Kaplan et al. 2000) erklärt, wieso die Orang-Utans so stark vom Aussterben bedroht sind und wieso jedes einzelne Individuum so wichtig ist. Mit einer ungefähren Lebenserwartung von 58 Jahren (Wich et al 2004) kann ein Muttertier maximal 5 Junge in ihrem Leben zur Welt bringen. Weibchen bleiben ihr Leben lang am Ort ihrer Geburt mit überlappenden Streifgebieten. Die Männchen hingegen verlassen ihren Geburtsort und wandern viele Kilometer weit weg um Inzucht zu vermeiden (van Noordwijk et al 2012).

 

Ein weiteres sehr interessantes Merkmal bei den Orang-Utans ist Bimaturismus: Das heißt, dass zwei unterschiedlich aussehende Männchen in einer Population vorkommen und beide fähig sind Junge zu zeugen. Ein junges Männchen wird zu einem zeugungsfähigen „unflanged male“. Diese Männchen sehen den Weibchen sehr ähnlich. Mit dem Alter werden sie aber größer als die Weibchen. Irgendwann entwickeln diese Männchen sekundäre sexuelle Geschlechtsmerkmale, so wie langes Fell, breite Backenwülste und einen dicken Kehlsack, der es ihnen ermöglich sehr laute Rufe (long calls) auszustoßen, die über 1000m zu hören sind. Interessanterweise können die „unflanged“ Männchen auf Sumatra ihre Entwicklung zu einem flanged Männchen um viele Jahre verschieben, manchmal sogar mehr als 20 Jahre, wohingegen die Männchen auf Borneo recht schnell die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln (Dunkel et al 2013). Die Rufe der „flanged“ Männchen dienen unter anderem dazu den Rivalen ihre Position mitzuteilen, so dass diese sich von einem dominanteren Männchen entfernen. Die Rufe sind individuell erkennbar (Spillmann et al 2009). Sie dienen aber auch dazu paarungswillige Weibchen anzulocken, da diese die „flanged“ Männchen bevorzugen.

 

Den größten Teil des Tages verbringen die Orang-Utans mit Fressen, v.a. Früchte aber auch Blätter, Blüten, Rinde, Ameisen und Termiten. Jeden Abend bauen sie sich ein Nest in den Bäumen. Dazu biegen sie sich Äste zusammen als Matratze und brechen kleine Äste mit vielen Blättern dran ab, um sie sich als Kopfkissen und Decke zurechtzulegen.

 

Bedrohung

Orang-Utans sind mehreren Bedrohungen ausgesetzt. In den 1970er Jahren wurde enorm intensiv auf ganz Borneo und Sumatra abgeholzt um die Tropenholznachfrage im Westen und China zu decken. Als man erkannte, wie schnell die Zahl der Orang-Utans, aber auch anderer endemischer Tierarten, wie z.B. der Nasenaffen, abnahm, hat man das „illegale“ Abholzen komplett verboten. Es wurden auch Gefängnisstrafen auf dieses Delikt verhängt. Nur leider hat die Regierung weiterhin Konzessionen auf das „legale“ Abholzen verteilt. Bis vor 10 Jahren hat man große Areal vorwiegende für die Holzgewinnung gerodet. Mittlerweile aber müssen riesige Regenwaldflächen den Palmölplantagen weichen. Zeitweise wurden sogar die Palmölplantagen als Regenwald deklariert, was den Eindruck erweckte, als gäbe es noch grosse Flächen Regenwald in Indonesien. Die Orang-Utans können jedoch nicht auf reinen Palmölplantagen überleben.

 

Weiterhin zerstören Kohle-und Gold-Minen große Areale des Waldes und es werden absichtlich verheerende Waldbrände gelegt. Dadurch wird nicht nur den Orang-Utans der Lebensraum genommen, sondern unser Klima weltweit nachhaltig negativ beeinflusst und eine Unmenge an Kohlendioxid welcher im meterdicken Boden gespeichert ist freigesetzt. Das Gebiet trocknet aus- ohne Regenwald kein Regen. Das einmalige Klima im Regenwaldgebiet ist in Gefahr.

 

Viele Orang-Utans werden immer noch gejagt oder einfach getötet, weil die Menschen ihr Fleisch als Nahrung betrachten, Angst vor ihnen haben oder die Jungtiere für teures Geld verkaufen wollen, obwohl es verboten ist (Meijaard et al 2011). Um an ein Jungtier zu gelangen, muss die extrem behütende Mutter getötet werden, da sie ihr Kind bei Gefahr unter keinen Umständen loslassen würde. Einige gefangenen Tiere landeten in „Bespaßungs-Zoos“, wo sie gegeneinander boxen mussten (und bis zu dieser Ausführung viel Schläge von den Trainern einstecken mussten), andere landeten sogar in einem Bordell- rasiert und gequält von Perversen. Heutzutage ist jede private Haltung von Orang-Utans untersagt. Leider zahlen einige Leute, oft Chinesen, immer noch enorme Summen für ein Orang-Utan-Baby. Daher ist der illegale Handel mit ihnen noch nicht komplett verschwunden und die Auffangstationen erhalten immer noch Zuwachs.

 

Referenzen

Nater, A., Nietlisbach, P., Arora, N., van Schaik, C. P., van Noordwijk, M. A., Willems, E. P., Singleton, I., Wich, S.A., Goossens, B., Warren, K.S., J. Verschoor, E., Perwitasari-Farajallah, D., Pamungkas, J. and Krützen, M. (2011). Sex-biased dispersal and volcanic activities shaped phylogeographic patterns of extant orangutans (genus: Pongo). Molecular biology and evolution, 28(8), 2275-2288.

 

Kaplan, H., Hill, K., Lancaster, J., & Hurtado, A. M. (2000). A theory of human life history evolution: diet, intelligence, and longevity. Evolutionary Anthropology Issues News and Reviews, 9(4), 156-185.

 

Greminger, M. P., Stölting, K. N., Nater, A., Goossens, B., Arora, N., Bruggmann, R., Patrignani, A., Nussberger, B., Reeta Sharma, H S Kraus, R., N Ambu, L., Singleton, I., Chikhi, L., van Schaik, CP. and Krützen, M. (2014). Generation of SNP datasets for orangutan population genomics using improved reduced-representation sequencing and direct comparisons of SNP calling algorithms. BMC genomics, 15(1), 16.

 

Wich, S. A., Utami-Atmoko, S. S., Setia, T. M., Rijksen, H. D., Schürmann, C., Van Hooff, J. A. R. A. M., & van Schaik, C. P. (2004). Life history of wild Sumatran orangutans ( Pongo abelii). Journal of Human Evolution, 47(6), 385-398.

 

van Noordwijk, M. A., Arora, N., Willems, E. P., Dunkel, L. P., Amda, R. N., Mardianah, N., ... & van Schaik, C. P. (2012). Female philopatry and its social benefits among Bornean orangutans. Behavioral Ecology and Sociobiology, 66(6), 823-834.

 

Dunkel, L. P., Arora, N., van Noordwijk, M. A., Atmoko, S. U., Putra, A. P., Krützen, M., & van Schaik, C. P. (2013). Variation in developmental arrest among male orangutans: a comparison between a Sumatran and a Bornean population. Front. Zool.

 

Spillmann, B., Dunkel, L. P., Van Noordwijk, M. A., Amda, R. N., Lameira, A. R., Wich, S. A., & Van Schaik, C. P. (2010). Acoustic Properties of Long Calls Given by Flanged Male Orang-Utans (Pongo pygmaeus wurmbii) Reflect Both Individual Identity and Context. Ethology, 116(5), 385-395.

 

Meijaard Erik ,Damayanti Buchori, Yokyok Hadiprakarsa, Sri Suci Utami-Atmoko, Anton Nurcahyo, Albertus Tjiu, Didik Prasetyo, Nardiyono, Lenny Christie, Marc Ancrenaz, Firman Abadi, I Nyoman Gede Antoni, Dedy Armayadi, Adi Dinato, Ella, Pajar Gumelar, Tito P. Indrawan, Kussaritano, Cecep Munajat, C. Wawan Puji Priyono, Yadi Purwanto, Dewi Puspitasari, M. Syukur Wahyu Putra, Abdi Rahmat, Harri Ramadani, Jim Sammy, Dedi Siswanto, Muhammad Syamsuri, Noviar Andayani, Huanhuan Wu, Jessie Anne Wells, Kerrie Mengersen 2011. Quantifying Killing of Orangutans and Human-Orangutan Conflict in Kalimantan, Indonesia. PloS one, 6(11), e27491.